für Prävention und Gesundheitsförderung

Selbst eine Pizza, die es gar nicht gibt, kann zum gesundheitlichen Wohlbefinden beitragen. Besonders diese hier, die gerade im Gemeinschaftsraum des Bola-Hostels, dem Haus der Kulturen, in Bochum entsteht. Die wird nicht auf einer Arbeitsplatte in der Küche, sondern auf dem Rücken des Partners zubereitet. Und sie entsteht zwar mit der Hand, aber in Gedanken. Erst wird der Teig ausgebreitet, dann kommt Wasser drüber, Tomaten und Salami werden ausgelegt. Zum Schluss, wenn die Pizza fertig ist, wird die Arbeitsplatte fein ausgestrichen und gesäubert.

Es handelt sich dabei um eine Massage-Übung. Es ist eine von vielen an diesem Tag. Vorgestellt wird sie von Alexander Jordan, er ist der Leiter der Zentralen Fortbildungseinrichtung für Sportlehrkräfte in Hessen. Und die, die wechselweise Pizzabäcker und Pizzaherstellungsfläche sind, sind etwa 50 Schüler der Klassen sieben bis elf aus Hessen, die sich an drei Tagen zum Gesundheitsbotschafter ausbilden lassen.
Die Pizza-backen-Übung ist Teil der Bewegungsstationen am ersten Tag der Gesundheitsbotschafter-Ausbildung der Dietrich Grönemeyer Stiftung. „Es geht dabei um Körperwahrnehmung und Entspannung als Gegensatz zur Anspannung“, erklärt Jordan, der vermutet: „Sicher ist das eine Übung, die bisher eher seltener im Lebensumfeld der Schüler vorgekommen ist.“

Womit er zweifellos Recht hat, wie der zwölfjährige Armin nach Beendigung der Übung bestätigt. „Als ich gehört habe, dass es hier um Entspannung und Massage geht, dachte ich, das würde langweilig werden“, gibt er zu. Um zugleich zuzugeben, dass er sich da geirrt hat: „Ich war überrascht, das ist echt sehr interessant. Da habe ich was erfahren, was ich später noch gut brauchen kann“

Auch auf solche Aha-Effekte setzt die Fortbildung zum Gesundheitsbotschafter, die nun schon seit sieben Jahren zusammen mit dem Land Hessen durchgeführt wird. Neben den praktischen Übungen an verschiedenen Stationen zu den Themen „Gesundheit, Bewegung und Entspannung“ erfuhren die Schüler in Vorträgen viel Wissenswertes zu Sucht, Mobbing, Ess-Störungen oder Life Kinetik-Training. All das soll ihnen helfen, besser auf ihre eigene Gesundheit zu achten und zugleich andere zu einem gesünderen Leben zu bewegen. „Wichtig ist zunächst die Gesundheit für jeden selbst“, erklärte Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer den zukünftigen Gesundheitsbotschaftern zu Beginn der Veranstaltung, „dann kann man sie auch an andere weitergeben.“

Bei seinem Einführungsvortrag wies Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer auf ganz praktische Dinge hin. Zum Beispiel auf diese: „Wer von Euch hatte denn schon mal Rückenschmerzen?“ wollte er wissen. Das Ergebnis überraschte ihn nicht, mehr als die Hälfte der Schüler meldete sich. Zusammen mit den Schülern sprach er nicht nur über die Ursachen der Rückenschmerzen (zu wenig Bewegung, falsche Belastung, einseitige Ernährung), er zeigte ihnen auch einfache Übungen, um den Rücken zu stärken. Und nicht nur den, sondern die Gesundheit allgemein. „Nur wer gesund ist, im Gleichgewicht, der ist auch leistungsstark“, erklärte Grönemeyer, „jeder selbst kann dafür etwas tun.“ Weshalb sich der Bochumer Arzt auch für eine Stunde Sport und Bewegung an der Schule pro Tag einsetzt. „Würde Euch das gefallen?“, fragte Grönemeyer in die Runde. Die Antwort fiel eindeutig aus – ein kräftiges „Ja!“. 

Mit der Ausbildung zum Gesundheitsbotschafter können die Schüler aus Hessen dazu einen Teil beitragen. Die Gesundheitsbotschafter haben an den Tagen in Bochum viele Chancen, ihr theoretisches Wissen praktisch zu erleben und auszuprobieren. „Ihr seid die Multiplikatoren“, ermuntert Grönemeyer die Schüler, „ihr könnt mit Eurem Wissen andere Menschen zu einem gesunden Leben bewegen.“